06.10.17 07:15 Alter: 202 days
Kategorie: Top News
06.10.17

Kahlaer kämpft sich in der Roda Werkstatt zurück in ein normales Leben

Sebastian Mörl aus Kahla hatte einen Gehirntumor – Seit sieben Jahren arbeitet er nun in der Roda-Werkstatt


Sebastian Mörl gilt seit fünf Jahren als geheilt.

Sebastian Mörl wollte Profifußballer werden. In seiner Heimatstadt Kahla spielte er im Verein, ging regelmäßig zum Training. Sein großer Traum platzte im Jahr 2005. Damals war der sportliche Jugendliche 15 Jahre alt. Weil er ständig Kopfschmerzen hatte, licht- und lautstärkeempfindlich war und sich häufig unwohl fühlte, ging er zum Arzt. Diagnose: ein tennisballgroßer Tumor im Kleinhirn. Die Wucherung ist Sebastian Mörl kurze Zeit später in der Universitätsklinik in Jena heraus­operiert worden. Acht Stunden ­dauerte der Eingriff, der ihm ein zweites Leben schenkte.

Doch sein Körper war für immer verän­dert. Fließend sprechen kann der inzwischen 27-Jährige seitdem nicht mehr. Eine Karriere im Sport ist passé. Auch wenn der Kahlaer hin und wieder mit ­seinem Schicksal hadert, so ist er doch in erster Linie eine Kämpfer­natur. Aufgeben, sei nie wirklich eine Option für ihn ­gewesen, sagt Sebastian Mörl. Mit Physio- und Ergo­therapie arbeitet er täglich an seinen ­körperlichen Leistungen, schult seinen Gleichgewichtssinn und kann zumindest auf einem Hocker sitzend ein wenig den Ball kicken. Und dafür geht quasi die ganze Freizeit des jungen Mannes drauf, denn den Rest des Tages verbringt Sebastian Mörl in der Roda-Werkstatt Stadtroda.

 „Als ich soweit wieder hergestellt war, sagte man mir beim Arbeitsamt, dass ich mir doch mal die Werk­stätten in Jena und Stadtroda ­anschauen soll. Ich habe eine Freundin gefragt und die empfahl mir die Einrichtung in Stadtroda. So bin ich nun seit dem 1. Oktober 2010 dort.“ Von Anfang an und nach wie vor ist Sebastian Mörl im Bereich Hauswirtschaft eingesetzt. Von 7.45 bis 15.15 Uhr geht er seiner Arbeit nach, wird am Morgen vom Fahrdienst abgeholt und nachmittags wieder nach Hause gebracht. „Am Anfang habe ich Schwimmer gebaut. Dann war ich mal in der Montage, später im Bereich Elektro eingesetzt. Ich mache das, was eben gerade ansteht.“ In der Roda-Werkstatt fühle er sich längst wohl. „Es ist wie in einer großen Familie. Ich habe hier Freunde gefunden.“ Welchen Schicksalsschlag Sebastian Mörl und seine Familie erleiden mussten, davon erfuhren viele Beschäftigte der Werkstatt aber erst, als sie sich den Image-Film der Einrichtung ­anschauten, der vor wenigen ­Jahren entstand. „Ich wurde damals gefragt, ob ich mitmachen möchte. Dann ist zwei Tage gedreht worden und ich habe meine Geschichte erzählt. Der Film kam total gut an. Alle hatten Tränen in den Augen.“ Wenn er doch ein wenig Zeit für sich hat, hört der junge Mann gern Musik oder schaut sich einen Film an. Natürlich verpasst er am Fern­seher auch kaum ein Spiel seiner Lieblingsmannschaft, dem FC Bayern München. „In voller Montur feuere ich mein Team meist an“, sagt er und zählt auf, dass er zum Beispiel FCB-Trikots, Bettwäsche, Fahne, Wimpel und Schal besitzt. Den Bayern drückt er zu Hause meist allein die Daumen. Sein Vater ist Hamburg-Fan – und das schon seit der Kindheit. Der 27-Jährige hat für seine Zukunft vor allem drei Wünsche „Ich würde gern mal nach Amerika reisen und möchte in einer eigenen Wohnung leben. Ich will wieder wie die anderen Leute rennen können, aber ich glaube nicht, dass das je wieder etwas wird. Ich bin nicht nur ein Kämpfer, sondern auch ein Realist“, sagt er und schmunzelt.